Und wieder die Frage: War es das letzte Buch?

Am aktuellen Manuskript arbeite ich seit einem Jahr. Da ich sehr schnell und konzentriert schreibe, hätte ich die ca. 360 Taschenbuchseiten locker in einem Monat als Rohentwurf im Kasten haben können. Doch fehlen meist Zeit und Ruhe fürs Schreiben, insbesondere fürs Überarbeiten. Deshalb zieht sich alles recht lange hin.

Seit 2012 schreibe und veröffentliche ich im Selfpublishing. Die ersten Jahre noch neben meiner Freelancer-Tätigkeit mit wenig Arbeit und viel Freizeit. Das ist längst anders.

Mit Ausnahme meiner chronischen Beinahe-Unsichtbarkeit als Autorin hat sich im Vergleich zu den Anfangsjahren viel verändert. Mein treuer Schreibbuddy Kater Schrumpel ist inzwischen uralt und schwer krank. Mein damals kleines Kind, das mich zu meinen ersten Schreibversuchen inspirierte, ist fast erwachsen. Auch sprachlich hat sich viel getan. In meiner Social-Media-Blase auf Instagram gibt es keine Blogger oder Autoren mehr, sondern Bloggende, Blogger*innen, Schreibende, Schriftstellende, Autor*innen usw. Weil ich mich dem Trend verschließe, drückt es beim Schreiben aufs Gewissen, denn ich gehöre damit offiziell zum absolut Bösen*. Das belastet mich psychisch seit Jahren.

Gleichzeitig dreht sich die „Guckt mal, wie toll ich bin“-Spirale in der Autorenbubble auf Social Media (besonders Instagram und TikTok) immer schneller und lauter. Hier bin ich als introvertierter Mensch zum Scheitern verurteilt.

Längst funkt auch die KI mit rein, die eine Vielzahl von Veröffentlichungen in die Shops drückt. Da wirkt meine eine Geschichte pro Jahr wie eine flügellahme Mücke, auf die eine Herde Elefanten mit Raketenantrieb zustürmt. Dabei steckt die KI noch in den Kinderschuhen. Wenn ich es richtig einschätze, werden sich KI-generierte Texte in den kommenden Jahren vervielfachen** und sicher auch Einfluss auf das nehmen, was wir für einen guten Schreibstil halten.

Bei jedem Buch stellt sich für mich ein wenig mehr die Frage: Warum schreibst du überhaupt? Es wird ohnehin kaum jemand lesen. Mit jedem Tag wird es unwahrscheinlicher, dass Leser meine Bücher finden, weil sich alles immer schneller dreht und ich mich dagegen in „Slo-Mo“ bewege. Ich schätze, auch bei der kommenden Veröffentlichung werde ich erneut mit vollem Schwung vor eine undurchdringliche Wand prallen, die meine Bücher unsichtbar bleiben lässt.

Dank der omnipräsenten Coaching-Bubble auf Instagram habe ich gelernt, dass Autoren, die an ihrem Schreiben zweifeln, tatsächlich nicht schreiben können. Meine ewigen Zweifel könnten ein Zeichen dafür sein, mich lieber anderen Dingen zu widmen. Zum Beispiel meinem winzigen Hinterhofgarten, der zur Freude der Igel und Wildbienen immer mehr im Chaos versinkt.

Andererseits wäre es im Sinne des Igel- und Wildbienenschutzes besser, wenn ich auch die kommenden Jahre weiterschreibe und den allwissenden Bubble-Coaches auf Instagram den inneren Stinkefinger zeige. Ganz egal, ob sie recht haben oder nicht.

*) Die auf der dunklen Seite hatten schon immer die besseren Kekse. Mit Karamel und Schokolade. Lecker

**) Vorausgesetzt die aktuellen bewaffneten Konflikte schaukeln sich nicht zu einem globalen Krieg hoch. In diesem Falle malen wir unsere Geschichten vielleicht wieder mit Holzkohle und Ocker an die Höhlenwände.

Lang ist’s her: Schreibbuddy Schrumpel in Aktion