Dieser Tage gehen Meldungen, Memes und Karikaturen durch Social Media: Vegetarische und vegane Lebensmittel dürfen nicht mehr mit „Wurst“ oder „Schnitzel“ bezeichnet werden. Das Europaparlament will es so, um uns alle zu beschützen.
Das ist voll lieb, dass wir als Verbraucher so gut betreut und beschützt werden. Würden wir doch als geistige Tiefflieger niemals aus eigener Kraft merken, dass in einer Wurst auf Tofubasis keine toten Tiere verwurstet sind, sondern Tofu – selbst wenn es riesengroß auf der Verpackung steht. Da muss uns schon jemand liebevoll an die Hand nehmen, sanft übers Köpfchen streicheln und sagen: „Alles nicht so schlimm. Guck mal, ich beschütze dich.“
Zu den Dummies muss ich mich dazuzählen, war ich doch bisher so naiv, zu glauben, dass es bei Wörtern wie „Wurst“, „Geschnetzeltes“ oder „Milch“ eher um Konsistenz und Form ging und nicht so sehr um die inhaltliche Zusammensetzung. Man denke nur an die „Kackwurst“, die vermutlich bei so gut wie niemandem auf dem Grill landet. Oder die „Scheuermilch“, die extrem selten in den Kaffee gekippt wird. (Außer, man gehört zur Spezies der Olchis.) Dachte ich zumindest. Solche gebräuchlichen Wörter plötzlich zu verbieten, ergibt für mich absolut keinen Sinn. Was ist mit der Gletschermilch? Dem Milchsaft aus dem Löwenzahn? Den Rübenschnitzeln als Tierfutter? Müssen wir da jetzt auch umlernen?

Wörter zu verbieten, die sich zwangsläufig aus sprachlogischen Verknüpfungen ergeben, ist in meinen Augen übergriffiges Verhalten, das sich in aufdringlicher Weise ins echte Leben einmischt. Ironischerweise erinnert mich das an die glühenden Verfechter der Gendersprache. Vollkommen selbstlos arbeiten sie nagelneue Sprachregeln aus und helfen uns liebevoll dabei, diese ganz freiwillig einzuhalten. Und alles nur, weil sie fest davon überzeugt sind, wir wären unfähig, von selbst zu merken, dass die menschliche Spezies aus Männern und Frauen besteht sowie aus Menschen, die sich irgendwo dazwischen oder daneben einordnen, weshalb wir auch auf diesem Gebiet dringend eine betreute Sprache brauchen.
Hier gab es ebenfalls vor einigen Wochen aufflammende Social-Media-Diskussionen und ich habe den Fehler gemacht, in die Kommentare reinzulesen. Daraus ergab sich eine Art Bullshit-Bingo, weil sich viele der Pseudoargumente der Sprachbetreuer seit Jahren wiederholen. Wie immer reichte das Spektrum von der Verleumdung, menschenverachtend oder rechtsradikal zu sein, wenn man nicht freiwillig und freudig gendert (Ist so etwas eigentlich justiziabel?), bis hin zu Todesfantasien, dass hoffentlich bald alle Gendergegner wegsterben. (Wie einfühlsam und inklusiv.)
Leuten, die so was ins Internet reinschreiben, wünsche ich eine Kackwurst auf den Grill.
