In meinem Fall hat Schreiben recht viel mit (Ver-)Zweifeln zu tun. Mal verzweifle ich daran, dass ich zu wenig Zeit zum Schreiben finde. Mal, dass meine Geschichten kaum Leser finden. Mal, dass ich nach dem Job vollkommen übermüdet bin und keine Kraft habe, am Manuskript zu arbeiten. Außerdem zweifle ich ständig an meinem Können und meinen Texten (aber das ist schon wieder eine andere Geschichte …).
Im Rückblick sind das alles Luxusprobleme. Es braucht nur einen winzig kleinen Auslöser und schon steht die Bedürfnispyramide Kopf – oder sortiert sich vollkommen neu. Zeit zum Schreiben haben, Leser finden, … im Moment ist alles völlig egal.
Der Auslöser dafür, dass meine Bedürfnispyramide gekippt ist, sind heftige Schmerzen, gegen die ich seit Wochen kämpfe. Arzt, Tabletten und Physiotherapie haben nichts gebracht. Sobald ich am Schreibtisch sitze, überfallen sie mich. Täglich wird es schlimmer. Auf Arbeit schaffe ich es irgendwie durchzuhalten, um dann völlig fertig zu Hause in den Seilen zu hängen (im übertragenen Sinne, denn Seile gibt’s hier nicht).
Trotzdem zieht es mich immer wieder zum Text. Nur um festzustellen, dass die Schmerzen so viel Aufmerksamkeit fordern, dass an Schreiben und Überarbeiten kaum zu denken ist. Das Schreiben (oder Zeichnen … ich würde so gerne den Online-Kurs weitermachen …) ist plötzlich das Egalste auf der Welt. Es wäre mir sogar egal, wenn mein Laptop explodiert und das Manuskript vernichtet wäre. (Na gut. Fast egal.) Die Schmerzen überstrahlen jeden Wunsch nach Selbstverwirklichung. Ich habe nur einen Wunsch, dass die Schmerzen endlich aufhören und ich wieder ich selbst sein kann. Dann würde ich es noch in diesem Jahr schaffen, die erste Überarbeitungsphase des Manuskripts abzuschließen, um es an die zweite Testleserin weiterzugeben.
(Mich um die Einrichtung des Newsletters zu kümmern, kann ich wegen der Schmerzen ebenfalls knicken.)
Das Stativ ist aufgebaut. Das Handy ist ausgerichtet. Es wackelt nur ein wenig. Das Licht ist jetzt im November eher mau, geht aber gerade so. Ich will ein Video für eine Promo-Aktion aufnehmen, an der ich teilnehmen darf.
Ja, ich weiß, Sichtbarkeit ist wichtig. Sehen die Leser meine Bücher und sogar die dazugehörige Autorin, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand tatsächlich in das reinliest, was ich geschrieben habe. So jedenfalls die Theorie.
Auf Instagram ist meine Reichweite inzwischen völlig eingebrochen. Auf Facebook schon lange. Wenn ich Textschnipsel veröffentliche, sehen das keine 100 Leute. Fünf oder sieben Herzen sind auf Instagram schon viel. Vor einigen Jahren waren es noch weit über zwanzig, und das für jeden noch so belanglosen Schnappschuss, den ich damals bei nur einem Bruchteil von Followern gepostet hatte.
Gleichzeitig sehe ich viele Autoren (m/w/d) Videos veröffentlichen, in denen sie die Vorzüge ihrer Bücher anpreisen. Bei manchen habe ich den Eindruck, sie machen das auf eine professionelle Weise authentisch, dass mich die große Reichweite ihrer Videos und das viele Feedback kaum wundert – selbst wenn sie noch kein Buch veröffentlicht haben, sondern über die Arbeit an ihrem Debütroman berichten. Andere erinnern mich an Gebrauchtwagenhändler, die das „Kindle-Business“ rocken und genau wissen, wo sie welches Wort, welchen Augenaufschlag, welche Geste platzieren müssen, um sich die Reichweite zu verdienen, die sie haben. Dann gibt es Leute, die wirklich authentisch rüberkommen, die schon fast verzweifelt von ihren Büchern erzählen, sich immer wieder neue Themen ausdenken, mit denen sie auf immer dieselben Bücher aufmerksam machen. Auch wenn sie sich noch so ins Zeug legen, bleibt ihre Reichweite überschaubar. Sie sind wirklich 100% authentisch, ganz normale Leute anstatt charismatischer Persönlichkeiten oder lässig-verpeilter Künstlertypen. Nur scheint das keine Reichweite zu bringen, auch wenn es immer heißt, man solle unbedingt authentisch sein. (Ich habe inzwischen den Verdacht, dass es ein richtiges und ein falsches Authentisch gibt …)
Ich zähle mich zur letzteren Gruppe, auch wenn ich selbst eher sparsam Selfies oder gar Videos von mir veröffentliche. Ich kann auch nicht einschätzen, wie wichtig die Präsenz auf Social Media wirklich ist. Mich nervt dort (Eigen-)Werbung eher. Gleichzeitig mache ich es selbst, weil es alle machen. Dabei bin ich völlig langweilig, absolut uninteressant. Interessant sind nur die Geschichten, die ich erzähle. Aber die wird niemand lesen oder hören, wenn niemand davon weiß. Und deshalb werde ich jetzt das Video aufnehmen. Auch wenn das Licht immer schlechter wird und das Stativ samt dem daran festgeschraubten Handy ein bisschen wackelt.
Nachdem ich letztes Jahr mit „Die Blutphiole“ grandios gescheitert bin (wie eigentlich jedes Mal, wenn ich was veröffentliche), war der Frust so groß, dass das „Ich schreibe lieber nie wieder was“ stärker war als je zuvor.
Leider ist das Schreiben auch ein bisschen eine Sucht. Und dann schwirren permanent abwegige Ideen durch die Luft, landen auf meiner Schulter, von wo aus sie in mein Ohr krabbeln und mir irgendwelche absonderlichen Geschichten zuflüstern, die aufgeschrieben werden wollen. Also habe ich es wieder getan und erneut einen Urban-Fantasy-Roman verfasst. Nur dieses Mal noch langsamer1 als sonst. Wort für Wort, Satz für Satz, Kapitel für Kapitel ist wieder eine der abwegigen Geschichten gewachsen, die stur alle gängigen Tropes ignoriert oder sie vor den Baum fährt, die sich romantischen Anklängen verweigert und da, wo sie aufzublitzen drohen, ebenfalls vor den Baum fährt. Die mit klassischen Wesen aus der Phantastik spielt, sie rotzfrech anders interpretiert und dadurch sämtliche Lesererwartungen – wie sollte es anders sein – mit Schwung vor den Baum fährt. Aber so richtig volle Pulle. Herausgekommen ist Urban Fantasy, wie sie vermutlich nur sehr wenige Menschen lesen wollen.
Mal abgesehen von meiner völligen Talentlosigkeit beim Buchmarketing sind alle Weichen gestellt, dass ich auch mit dem kommenden Buch herausfinden werde, wie Rücklichter von hinten aussehen. Dabei weiß ich das doch längst. Aber man kann es ja ruhig ein Mal pro Jahr auffrischen. Sicher wird’s für irgendwas gut sein.
Um mich daran zu erinnern, dass ich dennoch Freude während des Schreibprozesses hatte, weil sich mir im Rahmen der Recherche ganz neue Welten eröffnet haben (na gut, es waren eher finsterste Abgründe), schreibe ich diesen Blogtext. Auch wenn am Ende nur wenige Leute das Buch in den Webshops finden werden (wobei das Risiko recht hoch ist, dass sich die Leser enttäuscht abwenden, weil ich sämtliche Tropes missachtet, verkackt oder was ganz anderes geschrieben habe, als sie eigentlich lesen wollten …), wird mich dieser Text hoffentlich daran erinnern, dass es beim Schreibprozess nicht zwingend um zukünftigen kommerziellen2 Erfolg geht, sondern ums Schreiben an sich.
Lumiel Schattenkriecher und Jelen: Skizzen zu zwei Charakteren aus dem aktuellen Manuskript
Dieser Tage gehen Meldungen, Memes und Karikaturen durch Social Media: Vegetarische und vegane Lebensmittel dürfen nicht mehr mit „Wurst“ oder „Schnitzel“ bezeichnet werden. Das Europaparlament will es so, um uns alle zu beschützen.
Das ist voll lieb, dass wir als Verbraucher so gut betreut und beschützt werden. Würden wir doch als geistige Tiefflieger niemals aus eigener Kraft merken, dass in einer Wurst auf Tofubasis keine toten Tiere verwurstet sind, sondern Tofu – selbst wenn es riesengroß auf der Verpackung steht. Da muss uns schon jemand liebevoll an die Hand nehmen, sanft übers Köpfchen streicheln und sagen: „Alles nicht so schlimm. Guck mal, ich beschütze dich.“
Zu den Dummies muss ich mich dazuzählen, war ich doch bisher so naiv, zu glauben, dass es bei Wörtern wie „Wurst“, „Geschnetzeltes“ oder „Milch“ eher um Konsistenz und Form ging und nicht so sehr um die inhaltliche Zusammensetzung. Man denke nur an die „Kackwurst“, die vermutlich bei so gut wie niemandem auf dem Grill landet. Oder die „Scheuermilch“, die extrem selten in den Kaffee gekippt wird. (Außer, man gehört zur Spezies der Olchis.) Dachte ich zumindest. Solche gebräuchlichen Wörter plötzlich zu verbieten, ergibt für mich absolut keinen Sinn. Was ist mit der Gletschermilch? Dem Milchsaft aus dem Löwenzahn? Den Rübenschnitzeln als Tierfutter? Müssen wir da jetzt auch umlernen?
Finde den Imposter: Wer tut nur so, als wäre er eine Wurst aus Fleisch und chemischem Zeugs? Und wer tut so, als wäre er eine Gurke?
Wörter zu verbieten, die sich zwangsläufig aus sprachlogischen Verknüpfungen ergeben, ist in meinen Augen übergriffiges Verhalten, das sich in aufdringlicher Weise ins echte Leben einmischt. Ironischerweise erinnert mich das an die glühenden Verfechter der Gendersprache. Vollkommen selbstlos arbeiten sie nagelneue Sprachregeln aus und helfen uns liebevoll dabei, diese ganz freiwillig einzuhalten. Und alles nur, weil sie fest davon überzeugt sind, wir wären unfähig, von selbst zu merken, dass die menschliche Spezies aus Männern und Frauen besteht sowie aus Menschen, die sich irgendwo dazwischen oder daneben einordnen, weshalb wir auch auf diesem Gebiet dringend eine betreute Sprache brauchen.
Hier gab es ebenfalls vor einigen Wochen aufflammende Social-Media-Diskussionen und ich habe den Fehler gemacht, in die Kommentare reinzulesen. Daraus ergab sich eine Art Bullshit-Bingo, weil sich viele der Pseudoargumente der Sprachbetreuer seit Jahren wiederholen. Wie immer reichte das Spektrum von der Verleumdung, menschenverachtend oder rechtsradikal zu sein, wenn man nicht freiwillig und freudig gendert (Ist so etwas eigentlich justiziabel?), bis hin zu Todesfantasien, dass hoffentlich bald alle Gendergegner wegsterben. (Wie einfühlsam und inklusiv.)
Leuten, die so was ins Internet reinschreiben, wünsche ich eine Kackwurst auf den Grill.
Heute ging ein Workshop zum Thema KI zu Ende. Mein Plan war, mich auf den aktuellen Stand zu bringen, was mit KI im Rahmen meines eigentlichen Jobs schon alles möglich ist. Und da mein Job was mit Schreiben und Gestalten zu tun hat, betrifft vieles, was ich in den letzten zwei Tagen gesehen und gehört habe, auch mein zweites Ich, mein Autorinnen-Ich.
Im Workshop wurden uns die derzeit gängigen KI-Tools für Text, gesprochenes Wort und Bild sowie Video vorgestellt. Wir bekamen einen Einblick ins Erstellen von brauchbaren Prompts, mit denen sich die jeweilige KI dazu bewegen lässt, das zu tun, was man von ihr will.
Mit Sora erstellte Buchcover für einen Roman, den in naher Zukunft eine KI schreiben könnte
Mein persönliches Fazit, das ich aus dem Workshop mitnehme: Das Ziel der aktuellen Entwicklung ist, möglichst alles, was im Moment noch durch kreative Kopfarbeit geleistet wird (wie zum Beispiel diesen fragwürdigen und sicher auch strunzlangweiligen Blogbeitrag hier zu schreiben) durch KI erstellen zu lassen. Das betrifft Pressemitteilungen, Social Media Texte, Webseitenbeiträge, Podcasts, Buchcover, Fotos, Flyerinhalte, E-Mail-Texte, Glückwunschkarten, Übersetzungen in andere Sprachen oder leichte Sprache, ganze Marketingkampagnen, SEO-Optimierungen, Buchcover und sicher auch bald lesbare Romane etc.
Im Moment stehen wir bei dieser Entwicklung noch ganz am Anfang. Doch sie schreitet rasend schnell voran. Es kann sein, dass in gar nicht so ferner Zukunft von Menschen gemachte Texte, Grafiken, Fotos, Musik einen ähnlichen Stellenwert haben werden, wie heute die im Vergleich zu Produkten aus der industriellen Massenproduktion kostspieligen Keramiken eines Töpfers oder Keramikkünstlers. Die allermeisten von uns kaufen ihr Geschirr für überschaubares Geld aus der Massenproduktion. Nur wenn wir uns etwas Besonderes gönnen wollen, als Geschenk oder weil wir so reich sind, dass Geld ohnehin keine Rolle spielt, gehen wir zum Keramikatelier und erstehen dort eine handgefertigte Teekanne für einen stolzen Preis. Ähnlich wie heute ein Bio-Label für Bio-Lebensmittel, könnte es bald ein Man-made-Label geben, für von Menschen gemachte Texte, Bilder, Musik.
Mit Sora erstellte Buchcover für einen Roman, den in naher Zukunft eine KI schreiben könnte
Die Kursleiterin ist überzeugt davon, dass durch KI viele Jobs wegbrechen, aber auch ganz neue Jobs entstehen werden, ähnlich wie damals, als die Dampfmaschine in die Welt kam. Sie schwärmte davon, dass die KI-Anwendungen schon jetzt in ihrem Output statistisch messbar die menschliche Kreativität übertreffen, dass die KI sogar messbar empathischer ist, als menschliche Gesprächspartner (z.B. bei der Telefonseelsorge).
Für mich sieht es so aus, als könnten wir Kreativen einpacken und alles der KI überlassen. Nur die Prompts müssen wir uns, zumindest im Moment, noch selbst ausdenken. Und irgendwann schreibt, dichtet, musiziert die KI für uns bzw. vielleicht ja, im zweiten Schritt, für andere KIs, die sich das dann anschauen, durchlesen oder anhören. Und wenn die KIs mit sich selbst beschäftigt sind, wäre das unsere Chance, uns heimlich davonzuschleichen, den KIs den Mittelfinger zu zeigen, unseren Skizzenblock zu zücken, durchzuatmen und wieder selbst zu zeichnen oder zu schreiben.
Was mich an der aktuellen Entwicklung besonders verunsichert, ist die – so wie ich es verstanden habe – wissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass wir vor einer Klimakatastrophe stehen, verursacht durch den Raubbau an den natürlichen Ressourcen und dem exorbitanten Energieverbrauch, den unsere Zivilisation so mit sich bringt. Und trotzdem treiben wir scheinbar ungebremst Entwicklungen voran, die immer mehr Energie verbrauchen sowie Flächen für Rechenzentren, die jetzt überall gesucht werden. In diese für mich widersprüchlich erscheinende Entwicklung spielen auch neuere Errungenschaften wie Streamingdienste oder die Kryptowährung hinein. Auch diese Technologien stellen Energiefresser dar, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren, auch wenn damals schon die Erderwärmung ein Dauerthema war.
Mit Sora erstellte Buchcover für einen Roman, den in naher Zukunft eine KI schreiben könnte
Leider reicht mein vermutlich viel zu kleiner Verstand nicht aus, um zu verstehen, warum wir (alle „Lieschen Müllers“ dieser Welt, mich inbegriffen) für Billo-Anwendungen wie das Schreiben von Pressemitteilungen oder Weihnachtskarten Energieressourcen sondersgleichen durch KI-Anwendungen verbraten müssen, weil man den Anschluss nicht verlieren darf. Und gleichzeitig geht der ganze Planet in die Knie, weil er die Last nicht mehr tragen kann, die unser stetig wachsender Energieverbrauch mit sich bringt.
Übrigens …
Die im Beitrag verwendeten Pseudo-Buchcover habe ich von der KI Sora erstellen lassen. Eine Leserin von Fantasyromanen war dabei, als ähnliche Coverentwürfe entstanden. Sie war sofort begeistert und meinte, dass die Cover der Hammer sind und es sie richtig reizen würde, das Buch zu kaufen.Die Cover sind in wenigen Sekunden entstanden. Ich habe keinen Cent dafür bezahlt.Wenn ich zum Grafiker gehe (was ich auch tun werde, keine Panik!), wird ein mittlerer dreistelliger Betrag fällig und ich muss mehrere Wochen oder Monate auf einen Entwurf warten.
Wir alle sollten unser Schreiben reflektieren, um es in Zukunft besser zu machen.
Bin bei Instagram über eine ähnliche Formulierung wie die da oben gestolpert. Sie gehört zu jener Art von Aussagen, die ich gerne in einer Autorenselbsthilfegruppe aufarbeiten würde. Es ging in dem Beitrag um eine Handlungsanweisung, wie man (frau) zukünftig über „weiblich gelesene Personen“ in Fantasyromane schreiben soll. Das Ganze hing nicht im luftleeren Raum, sondern wurde mithilfe von mehr oder weniger kritikwürdigen Beispielen aus der gängigen Fantasyliteratur schlüssig begründet. Dazu gab es Schreibtipps, z.B. lieber über eine moderne feministische Hexe, anstatt über einen alten, männlichen Zauberer zu schreiben oder genau zu überlegen, ob es unbedingt eine Frau als Antagonistin oder ein männlicher Chef sein muss.
Es gab eine Zeit, da hätte ich solche Tipps eingesogen, als wäre es ein Schreibelixir. Unverzichtbar, um überhaupt eine halbwegs akzeptable Zeile aufs Papier bzw. in die Datei des Schreibprogramms zu bringen. Seit längerem zucke ich jedoch innerlich zusammen, wenn ich ein „Wir alle sollten …“ lese.
Genau das ist für mich das Problem mit solchen Schreibtipps. Sie kommen als Gewissensapelle oder Hinweise daher, die fast schon als Befehle wirken („wir alle sollten …“). Sie können Leute, die dem Thema prinzipiell positiv gegenüberstehen, psychologisch unter Druck setzen. Und dann baut sich da in mir ein innerer Widerstand auf, der mich fragen lässt: Warum soll ich überhaupt irgendwas? Und wer bist du, dass du glaubst, das von mir verlangen zu dürfen?
Und nein „wir alle sollten in Zukunft“ – absolut gar nichts reflektieren, außer, wenn wir aus künstlerischen Gründen Bock drauf haben, das wirklich wollen oder ohnehin so fühlen.
Wenn es – zumindest aus meiner ganz persönlichen Sicht – überhaupt irgendein „Sollen“ beim kreativen Schreiben gibt, so wie ich es und vermutlich viele andere betreiben (vertrags- und verlagsunabhängig, einfach nur aus der puren Lust heraus, Geschichten zu spinnen), dann lediglich, möglichst das zu schreiben, was unser Text wirklich braucht. Egal ob mit schusseligem, uralten Zausel als Zauberer oder cleverer Hightech-Hexe. Und das ist absolut jedem selbst überlassen, unabhängig von Gewissensappellen und Psychodruck auf Instagram à la „es in Zukunft besser zu machen.“
Der Kurzroman „Wolfsversprechen“ entstand eher nebenher. Es handelt sich um einen längeren Handlungsstrang aus einem Entwurf für ein interaktives Hörbuch, das leider nie produziert wurde. Erst kürzlich fand ich die inzwischen mehrere Jahre alte E-Mail des Verlages wieder, der es gern produzieren und sich deshalb „noch mal melden“ wollte. Aber wie es immer so ist … Trotzdem gibt es „Wolfsversprechen“ als E-Book in so ziemlich allen E-Book-Shops und auch als Taschenbuch. Die Geschichte geht eher in Richtung „Romantasy“. Darin habe ich ein altes Sagenmotiv aufgegriffen von einem Gürtel aus Wolfsfell, der Menschen angeblich in Werwölfe verwandeln kann.
Kelly soll ein magisches Artefakt für eine Ausstellung in Philadelphia aus Deutschland abholen. Es handelt sich um einen Gürtel aus Wolfsfell, der laut einer uralten Sage seinen Träger in einen Werwolf verwandelt. Die angehende Wissenschaftlerin glaubt weder an Magie noch an Werwölfe. Deshalb hat sie keine Ahnung, dass längst ein Wolf Jagd auf sie macht. An die Liebe glaubt sie übrigens auch nicht. Doch dann ist da dieser seltsame Ben von Thalberg, der sie völlig aus dem Konzept bringt.
Die Jägerin Lhan wird ins Gebirge geschickt, um dort als Menschenopfer für die Götter zu sterben. Falls es ihr gelingt, in der eisigen Kälte unversehrt zu bleiben und sogar erfolgreich zu jagen, darf sie jedoch zurückkehren und weiterleben. In Lhans Kultur haben Frauen keinen Wert, doch sie ist wild entschlossen, allen zu beweisen, was in ihr steckt.
Ihr gelingt es, das gefährlichste Monster des Grauen Seng, den Eisgeist, einzufangen und als Jagdbeute ins Dorf zu bringen. Statt des erhofften Triumphs verlaufen die Dinge jedoch vollkommen unerwartet und Lhan steht vor dem größten Abenteuer ihres Lebens.
Wie ist die Geschichte entstanden?
„Wintermaid“ sollte ursprünglich eine Kurzgeschichte werden. Mit 200 Taschenbuchseiten sprengte sie jedoch die kurze Form. Außerdem gab es zahlreiche Leserstimmen, die um eine Fortsetzung baten. Also kam „Höhlenbrut“ dazu. Wer Geschichten mit offenem Ende mag, kann „Wintermaid“ lesen, ohne „Höhlenbrut“ auch noch lesen zu müssen.
Wer wiederum wissen will, wie sich die Geschichte um Lhan und Mo noch ein bisschen weiterspinnen lässt, dem sei auch noch „Höhlenbrut“ empfohlen.
Wo bekomme ich den Lesestoff?
Beide Bücher gibt es exklusiv bei Amazon als E-Book für 2,99 Euro. Oder für 7,99 Euro (Wintermaid) bzw. 12,99 Euro (Höhlenbrut) im Buchhandel, online oder bestellbar im Laden.
Und das absolut Allergenialste: „Wintermaid“ gibt es auch als Hörbuch, überall dort wo es Hörbücher gibt, zum Download oder zum Streamen. Eingelesen hat es Katja Sallay, produziert hat es die Hörbuchmanufaktur Berlin.
Und hier noch der Klappentext zu „Wintermaid“, das sich vermutlich ins Genre „Low Fantasy“ einordnen lässt:
Ein heiliger Auftrag führt die Jägerin Lhan ins Gebirge. Als sogenannte Wintermaid soll sie den Winter bezwingen. Doch zwischen den Felsen lauert der Eisgeist, ein blutrünstiger Menschenfresser. Wenn es ihr gelingt, die Bestie als Jagdbeute ins Dorf zu bringen, wird sie als Winterbezwingerin gefeiert.Sollte sie scheitern, wird die Rachedes Dorfes grausam sein. Schon bald wächst in Lhan der Verdacht, dass dies ihr geringstes Problem ist.
Screenshot: Downloads vor, während und nach der Gratisaktion. Die blauen Ziffern stehen für echte Verkäufe.
„Jetzt ist eh alles Rille“, habe ich mir gedacht, nachdem ich „Wintermaid“ & „Höhlenbrut“ über Weihnachten mit bescheidenem Erfolg gratis angeboten hatte. Weil mein aktueller Roman „Die Blutphiole“ (im weitesten Sinne Urban Fantasy mit Vampiren drin) kaum Sichtbarkeit bei Amazon erreichen konnte, hatte ich auch für diesen Roman eine dreitägige Gratisaktion angeschoben.
Hintergrund
Die ersten beiden Wochen nach der Veröffentlichung Anfang November fand das neue E-Book erstaunlich viele Leser (verglichen mit meinen anderen Büchern). Leider gab es über Kindle Unlimited (KU) nur vereinzelte Ausleihen und somit wenig gelesene Seiten, weshalb es im Ranking schnell absackte, anstatt noch etwas weiter zu steigen. Es scheint, als wäre das E-Book für KU-Leser nahezu unsichtbar. Auch eine kostenintensive, mehrwöchige Marketingaktion über Facebook brachte keine Sichtbarkeit und hat die organische Reichweite vermutlich sogar gedrosselt – habe ich mir sagen lassen. Recht schnell trudelten zudem einige negative Bewertungen ein, von denen sich der anfangs ungewöhnlich hohe Sternedurchschnitt nicht mehr erholt. Deshalb musste ich davon ausgehen, dass das Buch ohnehin verloren ist. Das erleichterte mir die schwere Entscheidung für eine Gratisaktion zu einem fast nagelneuen Buch. (Meine erste Idee war ohnehin, das Buch wieder zu löschen. Im Moment schwanke ich hier noch.)
Meine Ziele für die Gratisaktion
1.) Weitere Leser finden, sodass der Roman nicht nahezu ungelesen bleibt und sich ein Jahr Arbeit zumindest aus dieser Sicht ein bisschen gelohnt hat. 2.) Mit sehr viel Glück organische Reichweite bei Amazon erzeugen, sodass es auch Kindle-Unlimited-Leser finden und das Ranking vielleicht doch noch etwas steigt.
Rang 7 in den Gratischarts
Das Ranking
Vor Beginn der Gratisaktion schwankte das Ranking zwischen 12.000 und 16.000. Während der dreitägigen Aktion schaffte es das Buch kurzzeitig bis auf Rang 7 der Gratischarts. Schon am ersten Tag wurden, im Vergleich zu den anderen beiden Büchern, doppelt so viele E-Books geladen. Eventuell lag das daran, dass eine bekannte Webseite die Aktion ohne mein Zutun beworben hat. Auch wenn meine Freude darüber riesig war, könnte diese Werbung kontraproduktiv gewesen sein, sollte es stimmen, dass Klicks von Webseiten außerhalb des Amazon-Shops den Algorithmus verwirren und eine nachhaltige Reichweite erschweren. Insgesamt gingen 763 kostenlos geladene E-Books über den virtuellen Tresen. Deutlich mehr als bei den anderen beiden Büchern.
Jeweils Rang 1 in zwei Gratis-Kategorien
Etwa fünf Stunden lang nach dem Ende der Gratiskation hatte das E-Book weder Ranking, noch tauchte es in den Kategorien auf. Als der Rang wieder sichtbar wurde, lag er bei 57.424, kurz danach bei 19.304, um sofort weiter auf 46.847 abzusinken. Auch die beiden echten Verkäufe kurz nach der Gratisaktion hatten keine positiven Auswirkungen, als wären sie nicht erfasst worden. Das Ranking stellt sich inzwischen deutlich schlechter dar als vor der Aktion. Ich muss hilflos zuschauen, wie das Buch in Folge der Gratisaktion im Grunde völlig unsichtbar geworden ist.
Das Ergebnis
Was die Sichtbarkeit im Amazonshop betrifft, war die Gratisaktion für ein relativ neues E-Book ein Fiasko. Anscheinend wurde dadurch das letzte Fünkchen organischer Reichweite erstickt. Gleichzeitig haben nun sehr viele Menschen den Roman kostenlos ergattert. Jetzt kann ich nur hoffen, dass darunter viele Leser sind, die die Geschichte wertschätzen können.
Mein Fazit
Mal verliert man. Mal gewinnen die anderen. Letztlich habe ich „Die Blutphiole“ vor allem deshalb geschrieben, weil ich gehofft hatte, den kleinen Erfolg von „Krähenpakt“ noch einmal wiederholen zu können. „Krähenpakt“ kam vor allem deshalb zustande, weil ich es eigentlich schon mit dem Schreiben aufgegeben hatte, aber durch ein Coaching motiviert wurde, es doch noch einmal zu versuchen.
„Die Blutphiole“ hat mir gezeigt, dass ich bei „Krähenpakt“ einfach nur unverschämtes Glück hatte und sich der damals ohnehin eher bescheidene Erfolg nicht wiederholen lässt. Vielleicht ist es nun an der Zeit, sich von seinen Träumen zu verabschieden, wenn sie seit einem Jahrzehnt regelmäßig in Enttäuschungen und Fehlschlägen münden. Wobei ich das Wort „Enttäuschung“ eher positiv sehe. Es bedeutet ja das Ende einer Täuschung und dass der Blick nun deutlich klarer ist.
Ich mache ungern Gratisaktionen mit meinen E-Books. Ich fürchte, die Leser denken, was nichts kostet, ist nichts wert und bewerten dann meine Bücher entsprechend, wenn sie diese gratis ergattert haben. Andererseits nutze ich selbst oft kostenlose Angebote, für die ich dankbar bin, z.B. Canva, mein E-Mail-Programm oder den Webbrowser. Deshalb finde ich es okay, ein bisschen was an die Allgemeinheit zurückzugeben und meine Bücher ab und zu gratis anzubieten. Außerdem war gerade Weihnachten, weshalb ich beide Bände der Dilogie „Wintermaid“ & „Höhlenbrut“ zwei Tage bzw. im Falle von Band 1 (Wintermaid) sogar drei Tage bei einer Gratisaktion im Amazon-Shop verschenkt habe.
Das E-Book-Ranking
Von „Höhlenbrut“ wurden innerhalb von 48 Stunden 474 E-Books gratis heruntergeladen (Rang 25 in den Kostenloscharts). Vor der Aktion lag das Ranking in den Verkaufscharts bei Platz 291.691, am ersten Tag nach Ende der Aktion immerhin bei Rang 25.435. Von „Wintermaid“ wurden innerhalb von 72 Stunden 640 E-Books heruntergeladen, wodurch es Rang 20 in den Kostenlos-Charts erreichte und nach der Aktion für kurze Zeit auf 12.872 der allgemeinen Charts aufstieg. Leider erzeugte das kaum echte Sichtbarkeit, worauf ich auch nicht wirklich zu hoffen gewagt hatte. Inzwischen stürzt das Ranking bei beiden Büchern recht schnell wieder ab.
Screenshot: Verkäufe vor, nach und während der Gratisaktion. Die zwei- und dreistelligen Zahlen stehen fast ausschließlich für Gratis„Verkäufe“.
Das Hörbuch-Ranking
Für „Wintermaid“ existiert ein hochwertig produziertes Hörbuch. Das lag die letzten Monate beim Audible-Ranking um 200.000. Im Grunde hat es niemand mehr gekauft. Am dritten und letzten Tag der Gratisaktion für das dazugehörige E-Book lag das Hörbuch für einen kurzen Moment bei Rang 12.031. Ich vermute, dass drei oder vier Leute nach dem Download des kostenlosen E-Books die Chance genutzt haben, das dazugehörige Hörbuch für einen weitaus günstigeren Preis bei Amazon zu kaufen (für 2,95 € anstatt für 14,95 €). Am zweiten Tag nach der Aktion fällt es mit jeder Stunde weiter in die Richtung, aus der es gekommen ist: weit nach unten.
Auswirkungen auf Verkäufe bzw. Kindle Unlimited
Nach Ablauf der Gratisaktion gab es für die E-Books aus der Aktion einige Verkäufe im niedrigen einstelligen Bereich. Vermutich wurden auch drei oder vier dieser E-Books über KU ausgeliehen. Es gab gelesene Seiten im dreistelligen Bereich. Bei meinen anderen Büchern blieb alles beim Alten.
Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
Weil die Gratisaktion hauptsächlich als Weihnachtsgeschenk gedacht war, ist mir erst gegen Ende der Aktion eingefallen, die Keywords, die Kategorien und die A+ Inhalte der beiden E-Books zu aktualisieren. Vor Beginn der Aktion wäre das wesentlich schlauer gewesen. Anderseits bringt das bei meinen Büchern – mit Ausnahme von „Krähenpakt“ – normalerweise kaum etwas für eine bessere Sichtbarkeit. Deshalb war es zwar eine vertane Chance, aber kein gravierend schlimmer Fehler.
Fazit
Um es kurz zu machen. Hat es sich gelohnt, die beiden E-Books für zwei bzw. sogar drei Tage gratis anzubieten? Die Idee mit dem Weihnachtsgeschenk ist ganz sicher aufgegangen. Im kommerziellen Sinne hat es sich erwartungsgemäß nicht gelohnt. Zumal ich die Aktion auch nicht marketingtechnisch nutzen konnte, z.B. um Newsletterabonnenten zu gewinnen. Ich habe leider keinen Newsletter und wegen der DSGVO* habe ich einen zu großen Respekt davor, einen anzubieten.
Gelohnt hat sich die Aktion dennoch für mich, wenn auch auf andere Weise. So konnte ich mich davon überzeugen, dass sich die Leser durchaus für meine Bücher interessieren (gemessen an den Abertausenden von Gratis-E-Books im Amazon-Shop). Immerhin haben es die beiden Titel in die Top 30 bzw. Top 20 der kostenlosen E-Books geschafft. Mein eher deprimierendes Fazit ist daher: Recht viele Leute würden meine Bücher gern haben wollen. Sie dürfen nur möglichst nichts kosten.
*) Profis sagen jetzt sicher: „Hä? Warum? Das mit dem Newsletter ist doch easy.“ Ich habe jedoch webtechnisch im Job öfter mit einem DSGVO-Juristen zu tun. Dabei merke ich jedes Mal, dass ich nicht mal ansatzweise verstehe, was er überhaupt will und warum das eine richtig und das andere falsch sein soll.