Heute ging ein Workshop zum Thema KI zu Ende. Mein Plan war, mich auf den aktuellen Stand zu bringen, was mit KI im Rahmen meines eigentlichen Jobs schon alles möglich ist. Und da mein Job was mit Schreiben und Gestalten zu tun hat, betrifft vieles, was ich in den letzten zwei Tagen gesehen und gehört habe, auch mein zweites Ich, mein Autorinnen-Ich.
Im Workshop wurden uns die derzeit gängigen KI-Tools für Text, gesprochenes Wort und Bild sowie Video vorgestellt. Wir bekamen einen Einblick ins Erstellen von brauchbaren Prompts, mit denen sich die jeweilige KI dazu bewegen lässt, das zu tun, was man von ihr will.

Mein persönliches Fazit, das ich aus dem Workshop mitnehme: Das Ziel der aktuellen Entwicklung ist, möglichst alles, was im Moment noch durch kreative Kopfarbeit geleistet wird (wie zum Beispiel diesen fragwürdigen und sicher auch strunzlangweiligen Blogbeitrag hier zu schreiben) durch KI erstellen zu lassen. Das betrifft Pressemitteilungen, Social Media Texte, Webseitenbeiträge, Podcasts, Buchcover, Fotos, Flyerinhalte, E-Mail-Texte, Glückwunschkarten, Übersetzungen in andere Sprachen oder leichte Sprache, ganze Marketingkampagnen, SEO-Optimierungen, Buchcover und sicher auch bald lesbare Romane etc.
Im Moment stehen wir bei dieser Entwicklung noch ganz am Anfang. Doch sie schreitet rasend schnell voran. Es kann sein, dass in gar nicht so ferner Zukunft von Menschen gemachte Texte, Grafiken, Fotos, Musik einen ähnlichen Stellenwert haben werden, wie heute die im Vergleich zu Produkten aus der industriellen Massenproduktion kostspieligen Keramiken eines Töpfers oder Keramikkünstlers. Die allermeisten von uns kaufen ihr Geschirr für überschaubares Geld aus der Massenproduktion. Nur wenn wir uns etwas Besonderes gönnen wollen, als Geschenk oder weil wir so reich sind, dass Geld ohnehin keine Rolle spielt, gehen wir zum Keramikatelier und erstehen dort eine handgefertigte Teekanne für einen stolzen Preis. Ähnlich wie heute ein Bio-Label für Bio-Lebensmittel, könnte es bald ein Man-made-Label geben, für von Menschen gemachte Texte, Bilder, Musik.

Die Kursleiterin ist überzeugt davon, dass durch KI viele Jobs wegbrechen, aber auch ganz neue Jobs entstehen werden, ähnlich wie damals, als die Dampfmaschine in die Welt kam. Sie schwärmte davon, dass die KI-Anwendungen schon jetzt in ihrem Output statistisch messbar die menschliche Kreativität übertreffen, dass die KI sogar messbar empathischer ist, als menschliche Gesprächspartner (z.B. bei der Telefonseelsorge).
Für mich sieht es so aus, als könnten wir Kreativen einpacken und alles der KI überlassen. Nur die Prompts müssen wir uns, zumindest im Moment, noch selbst ausdenken. Und irgendwann schreibt, dichtet, musiziert die KI für uns bzw. vielleicht ja, im zweiten Schritt, für andere KIs, die sich das dann anschauen, durchlesen oder anhören. Und wenn die KIs mit sich selbst beschäftigt sind, wäre das unsere Chance, uns heimlich davonzuschleichen, den KIs den Mittelfinger zu zeigen, unseren Skizzenblock zu zücken, durchzuatmen und wieder selbst zu zeichnen oder zu schreiben.
Was mich an der aktuellen Entwicklung besonders verunsichert, ist die – so wie ich es verstanden habe – wissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass wir vor einer Klimakatastrophe stehen, verursacht durch den Raubbau an den natürlichen Ressourcen und dem exorbitanten Energieverbrauch, den unsere Zivilisation so mit sich bringt. Und trotzdem treiben wir scheinbar ungebremst Entwicklungen voran, die immer mehr Energie verbrauchen sowie Flächen für Rechenzentren, die jetzt überall gesucht werden. In diese für mich widersprüchlich erscheinende Entwicklung spielen auch neuere Errungenschaften wie Streamingdienste oder die Kryptowährung hinein. Auch diese Technologien stellen Energiefresser dar, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren, auch wenn damals schon die Erderwärmung ein Dauerthema war.

Leider reicht mein vermutlich viel zu kleiner Verstand nicht aus, um zu verstehen, warum wir (alle „Lieschen Müllers“ dieser Welt, mich inbegriffen) für Billo-Anwendungen wie das Schreiben von Pressemitteilungen oder Weihnachtskarten Energieressourcen sondersgleichen durch KI-Anwendungen verbraten müssen, weil man den Anschluss nicht verlieren darf. Und gleichzeitig geht der ganze Planet in die Knie, weil er die Last nicht mehr tragen kann, die unser stetig wachsender Energieverbrauch mit sich bringt.
Übrigens …
Die im Beitrag verwendeten Pseudo-Buchcover habe ich von der KI Sora erstellen lassen. Eine Leserin von Fantasyromanen war dabei, als ähnliche Coverentwürfe entstanden. Sie war sofort begeistert und meinte, dass die Cover der Hammer sind und es sie richtig reizen würde, das Buch zu kaufen. Die Cover sind in wenigen Sekunden entstanden. Ich habe keinen Cent dafür bezahlt. Wenn ich zum Grafiker gehe (was ich auch tun werde, keine Panik!), wird ein mittlerer dreistelliger Betrag fällig und ich muss mehrere Wochen oder Monate auf einen Entwurf warten.