Scheitern für Fortgeschrittene

Nachdem ich letztes Jahr mit „Die Blutphiole“ grandios gescheitert bin (wie eigentlich jedes Mal, wenn ich was veröffentliche), war der Frust so groß, dass das „Ich schreibe lieber nie wieder was“ stärker war als je zuvor.

Leider ist das Schreiben auch ein bisschen eine Sucht. Und dann schwirren permanent abwegige Ideen durch die Luft, landen auf meiner Schulter, von wo aus sie in mein Ohr krabbeln und mir irgendwelche absonderlichen Geschichten zuflüstern, die aufgeschrieben werden wollen. Also habe ich es wieder getan und erneut einen Urban-Fantasy-Roman verfasst. Nur dieses Mal noch langsamer1 als sonst. Wort für Wort, Satz für Satz, Kapitel für Kapitel ist wieder eine der abwegigen Geschichten gewachsen, die stur alle gängigen Tropes ignoriert oder sie vor den Baum fährt, die sich romantischen Anklängen verweigert und da, wo sie aufzublitzen drohen, ebenfalls vor den Baum fährt. Die mit klassischen Wesen aus der Phantastik spielt, sie rotzfrech anders interpretiert und dadurch sämtliche Lesererwartungen – wie sollte es anders sein – mit Schwung vor den Baum fährt. Aber so richtig volle Pulle. Herausgekommen ist Urban Fantasy, wie sie vermutlich nur sehr wenige Menschen lesen wollen.

Mal abgesehen von meiner völligen Talentlosigkeit beim Buchmarketing sind alle Weichen gestellt, dass ich auch mit dem kommenden Buch herausfinden werde, wie Rücklichter von hinten aussehen. Dabei weiß ich das doch längst. Aber man kann es ja ruhig ein Mal pro Jahr auffrischen. Sicher wird’s für irgendwas gut sein.

Um mich daran zu erinnern, dass ich dennoch Freude während des Schreibprozesses hatte, weil sich mir im Rahmen der Recherche ganz neue Welten eröffnet haben (na gut, es waren eher finsterste Abgründe), schreibe ich diesen Blogtext. Auch wenn am Ende nur wenige Leute das Buch in den Webshops finden werden (wobei das Risiko recht hoch ist, dass sich die Leser enttäuscht abwenden, weil ich sämtliche Tropes missachtet, verkackt oder was ganz anderes geschrieben habe, als sie eigentlich lesen wollten …), wird mich dieser Text hoffentlich daran erinnern, dass es beim Schreibprozess nicht zwingend um zukünftigen kommerziellen2 Erfolg geht, sondern ums Schreiben an sich.

Zwei Porträts in schwarz-Weiß. Links eine junge Frau, deren Haut wie die einer Echse geschuppt ist und bei der dämonenhafte Flügel zu erahnen sind. Rechts ein junger Mann mit dunklem Haar, Hirschohren und Hirschgeweih.
Lumiel Schattenkriecher und Jelen: Skizzen zu zwei Charakteren aus dem aktuellen Manuskript
  1. Ich sage nur: „Gender Care Gap“. ↩︎
  2. Wobei kommerzieller Erfolg auch mal ganz nett wäre. Allein schon mit Blick auf die kommende Tierarztrechnung. ↩︎