Wir alle sollten unser Schreiben reflektieren, um es in Zukunft besser zu machen.
Bin bei Instagram über eine ähnliche Formulierung wie die da oben gestolpert. Sie gehört zu jener Art von Aussagen, die ich gerne in einer Autorenselbsthilfegruppe aufarbeiten würde. Es ging in dem Beitrag um eine Handlungsanweisung, wie man (frau) zukünftig über „weiblich gelesene Personen“ in Fantasyromane schreiben soll. Das Ganze hing nicht im luftleeren Raum, sondern wurde mithilfe von mehr oder weniger kritikwürdigen Beispielen aus der gängigen Fantasyliteratur schlüssig begründet. Dazu gab es Schreibtipps, z.B. lieber über eine moderne feministische Hexe, anstatt über einen alten, männlichen Zauberer zu schreiben oder genau zu überlegen, ob es unbedingt eine Frau als Antagonistin oder ein männlicher Chef sein muss.
Es gab eine Zeit, da hätte ich solche Tipps eingesogen, als wäre es ein Schreibelixir. Unverzichtbar, um überhaupt eine halbwegs akzeptable Zeile aufs Papier bzw. in die Datei des Schreibprogramms zu bringen. Seit längerem zucke ich jedoch innerlich zusammen, wenn ich ein „Wir alle sollten …“ lese.
Genau das ist für mich das Problem mit solchen Schreibtipps. Sie kommen als Gewissensapelle oder Hinweise daher, die fast schon als Befehle wirken („wir alle sollten …“). Sie können Leute, die dem Thema prinzipiell positiv gegenüberstehen, psychologisch unter Druck setzen. Und dann baut sich da in mir ein innerer Widerstand auf, der mich fragen lässt: Warum soll ich überhaupt irgendwas? Und wer bist du, dass du glaubst, das von mir verlangen zu dürfen?
Und nein „wir alle sollten in Zukunft“ – absolut gar nichts reflektieren, außer, wenn wir aus künstlerischen Gründen Bock drauf haben, das wirklich wollen oder ohnehin so fühlen.
Wenn es – zumindest aus meiner ganz persönlichen Sicht – überhaupt irgendein „Sollen“ beim kreativen Schreiben gibt, so wie ich es und vermutlich viele andere betreiben (vertrags- und verlagsunabhängig, einfach nur aus der puren Lust heraus, Geschichten zu spinnen), dann lediglich, möglichst das zu schreiben, was unser Text wirklich braucht. Egal ob mit schusseligem, uralten Zausel als Zauberer oder cleverer Hightech-Hexe. Und das ist absolut jedem selbst überlassen, unabhängig von Gewissensappellen und Psychodruck auf Instagram à la „es in Zukunft besser zu machen.“